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Jamal, Mumia Abu- - ich schreibe um zu leben Jamal, Mumia Abu-
ich schreibe um zu leben
Essays (broschierte Ausgabe)
216 Seiten, ebr.
12.80 Eur - 23.00 sFr ISBN-10: 3-926529-63-6 / ISBN-13: 978-3926529633



Mumia Abu-Jamal zeigt in diesen Texten, daß er trotz 20 Jahren in der Todeszelle ein »Gläubiger« ist, dessen Religion das Leben ist. Die Kraft seiner Utopien und Träume ist zugleich eine niederschmetternde Kritik am »American Way of Life«.
»Eine Disziplinarstrafe, weil ich schreibe

Am 3. Juni 1995, einen Tag nach Unterzeichnung des ersten Hinrichtungsbefehls, wurde ich mit einem Disziplinarverfahren konfrontiert. Es lag eine Anzeige wegen »unerlaubter Betätigung in einem Gewerbe oder Beruf« gegen mich vor - weil ich weiter als Journalist aktiv bin. Der Staat will mit allen Mitteln verhindern, daß ihr lesen könnt, was ich schreibe. Weil ich es wage, die Wahrheit auszusprechen oder aufzuschreiben, bestrafen sie mich erneut, obwohl ich schon der härtesten Strafe unterworfen bin, die das System vorsieht.
Das Vergehen?
Mein Buch »...aus der Todeszelle/Live from Death Row".
Darin zeichne ich ein wenig schmeichelhaftes Bild dieses Gefängnissystems, das sich selbst das Etikett »Resozialisierung« anheftet. Es bringt aber kaum etwas anderes fertig, als Menschenseelen zu korrumpieren. Dieses System, das Jahr für Jahr Hunderte von Millionen Dollar verschlingt, um Zehntausende Frauen und Männer zu foltern, zu verletzen und zu verstümmeln. Dieses System, das Bitterkeit lehrt und Haß schürt.
Offensichtlich verfolgt die Regierung nicht einfach das Ziel, Menschen zu töten, sondern sie zum Schweigen zu bringen. Nur ein verstummter Häftling ist ein »resozialisierter« Häftling. Einer der redet, schreibt und den Horror, den er erlebt, beim Namen nennt, kriegt ein Disziplinarverfahren. Haben wir es also mit einem korrekten System zu tun? Einem System, dem es um Verhaltenskorrektur, um »Besserung«, geht?
Für diese Behörde ist der erste Zusatzartikel zur Verfassung - das Recht der freien Rede - null und nichtig. Er kommt nicht zur Anwendung.
Aber niemand - kein Polizist, kein Wärter - wird eine einzige Lüge in meinem Buch finden. Es ist vielmehr genau wegen seines Wahrheitsgehaltes zur Zielscheibe des Staates und seiner Günstlinge geworden. Kein Mensch soll diese Wahrheiten erfahren.
Jeder sollte sich aber fragen, warum über nichts dergleichen im Fernsehen, im Radio oder in den Zeitungen berichtet wird! Zeitungen, Radio- und Fernsehanstalten sind zunehmend im Besitz multinationaler Konzerne oder reicher Einzelpersonen. Deshalb vermitteln sie die Ansichten der Reichen und Etablierten, nicht die der Armen und Machtlosen.
In meinem Buch »...aus der Todeszelle« sind die Stimmen der vielen, der Unterdrückten, der Verdammten und derjenigen zu hören, auf die der Staat Bomben werfen läßt.
Ich habe einen hohen Preis dafür gezahlt, euch das alles nahe zu bringen, und ich werde noch mehr dafür bezahlen.
Aber ihr sollt wissen: Ich würde es ungeachtet aller Konsequenzen tausendmal wieder tun, weil es richtig ist!
Um John Africa zu zitieren: »Wenn ihr euch entschlossen habt, das Richtige zu tun, dann wird euch die Kraft der Rechtschaffenheit niemals verlassen...«
Es war richtig, mein Buch zu schreiben, und es ist richtig, wenn ihr es lest, egal ob irgendein Polizist, Wärter, Knastbürokrat, Politiker oder Mediensprecher euch etwas anderes erzählt.
Zweifellos habt ihr schon oft in euerem Leben von der »freien Rede« und »freien Presse« gehört. Aber welche Bedeutung hat schon eine solche »Freiheit", wenn ihr nicht die Freiheit habt, zu entscheiden, was ihr lesen oder hören wollt?
Beim Lesen dieser Zeilen solltet ihr euch bewußt sein, daß ich von der Regierung dafür bestraft worden bin, mein Buch »...aus der Todeszelle« und die vor euch liegenden Worte geschrieben zu haben. Schon seit meinem fünfzehnten Lebensjahr werde ich von der Regierung der Vereinigten Staaten für das bestraft, was ich schreibe.
Trotzdem habe ich unbeirrt weitergeschrieben.

Und ihr: hört nicht auf zu lesen!«
Essay von Mumia Abu-Jamal, aus: ich schreibe um zu leben
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